Die Kriegsmarine - Deutsche Marine-Zeitung
Eine kommentierte Auswahl abgeschlossener, unveränderter Beiträge aus der Propaganda-Zeitschrift der Deutschen Kriegsmarine
Geschichte der Zeitschrift


Die Zeitschrift „Die Kriegsmarine" entstand aus der 1932 vom Marine-Verlag Ernst Rubien in Firma Berliner A.-G. für Druck und Verlag in Berlin-Lichterfelde-Ost gegründeten Monatszeitschrift „Die Reichsmarine". Herausgeber war Ernst Rubien, Die Schriftleitung übernahm der Korvettenkapitän a.D. Fritz Otto Busch. Geboren am 30. Dezember 1890 trat Busch im April 1912 in die Kaiserliche Marine ein und wurde nach Ende des Ersten Weltkrieges in die Reichsmarine übernommen. Am 31. Oktober 1928 schied er mit dem Charakter eines Korvettenkapitäns aus dem aktiven Dienst aus. Busch gehörte zu den bekanntesten deutschen Marineschriftstellern. Er ist Autor von über 70 Büchern über meist marinegeschichtliche Themen, viele davon speziell für die Jugend. Busch, der die Zeitschrift auf Betreiben des damaligen Chefs der Marineleitung, Admiral Dr. phil. h.c. Erich Raeder, gründete, betreute sie 12 Jahre lang.

Im Impressum der „Reichsmarine“ hieß es:„ Diese Zeitschrift erscheint am 1. jeden Monats, sie gelangt an die Dienststellen der Reichsmarine, an die Werften und Reedereien, alle Hafen-Verwaltungen und die mit der Schiffbauindustrie zusammenhängenden Unternehmungen".
Die „Reichsmarine" brachte populäre Darstellungen aus dem Bereich der Kriegs- und Handelsflotten, Marinegeschichte, Berichte über technische Entwicklungen sowie einen umfangreichen Teil „Nachrichten aus der Reichsmarine" mit vielen Bildern, Personal- und Familiennachrichten. Daneben brachte sie Verbandsnachrichten des Bundes Deutscher Marinevereine (Deutscher Flottenverein, Marine-Offiziers-Verband [MOV], Deutsch-amerikanischer Marine-Bund, Flottenbund Deutscher Frauen u. a.). Neben Buchbesprechungen enthielt die „Reichsmarine" einen umfangreichen Anzeigenteil.

Mit dem 1. Januar 1934 ging die Zeitschrift an den Verlag Heinrich Beenken, Berlin, über. F. 0. Busch blieb Hauptschriftleiter. Im Untertitel hieß die „Reichsmarine" jetzt „Zeitschrift für deutsche Seegeltung und Seefahrt". Sie wurde attraktiver, erhielt einen festen Umschlag und noch mehr Illustrationen. Neu eingeführt wurde die Spalte "Aus fremden Marinen",
Nach der offiziellen Umbenennung der Reichsmarine in Kriegsmarine am 21. Mai 1935 wurde die Zeitschrift mit Heft 7/1935 (Juli) den neuen Gegebenheiten angepaßt. Sie hieß nun auch „Die Kriegsmarine" mit dem Untertitel „Deutschland zur See" und erschien weiterhin im Heinrich Beenken Marine-Verlag. Ihr Umfang blieb bei 36 Seiten. Ab 1939 erhielt die „Kriegsmarine" den Hinweis „Herausgegeben mit Unterstützung des Oberkommandos der Kriegsmarine". Jetzt erschienen monatlich zwei Hefte von je 32 Seiten Umfang. Nach Kriegsbeginn schrumpfte die Seitenzahl auf 24. Davon waren noch bis weit in den Krieg hinein bis zu 10 Seiten Anzeigen. 1940 ging der Umfang auf 20 Seiten einschließlich der Umschlagseiten zurück. Die „Kriegsmarine" erhielt jetzt den Untertitel „Deutsche Marine-Zeitung". Der umfangreiche Nachrichtenteil entfiel ab September 1939. Nur gelegentlich wurden noch Beförderungen zu hohen Dienstgraden mitgeteilt. In einem
„Kriegstagebuch" wurden nun Informationen über den Verlauf des Seekrieges geboten, die sich jedoch meist auf den Abdruck entsprechender Auszüge aus dem Wehrmachtbericht beschränkten. In der zweiten Jahreshälfte 1941 schrumpfte der Inhalt auf 16 Seiten, die Zahl der Anzeigen ging rapide zurück. Die Rubrik „Kriegstagebuch" verschwand wieder, eine Seite mit Humor und Rätseln wurde neu eingeführt, ebenso fremdsprachige Übungstexte (englisch und französisch), auch gab es Vorschläge für Schiffsmodellbauer. 1942 blieb die „Kriegsmarine" zunächst bei einem Umfang von 16 Seiten, zum Jahresende sank er auf 12 Seiten ab. So blieb es bis zur Einstellung der Zeitschrift in der zweiten Septemberhälfte 1944 als Maßnahme des „Totalen Krieges".

Die „Kriegsmarine" wurde im Kriege aus naheliegenden Gründen reines Propagandaorgan mit abnehmendem Informationswert. Die auf dem Titelblatt hervorgehobene Unterstützung durch das Oberkommando der Kriegsmarine verlieh der Zeitschrift einen gewissen amtlichen Anstrich, trug jedoch offensichtlich nicht dazu bei, sie etwa mit aktuellen Fotos besser zu versorgen. Dann wurde ein Griff ins Archiv notwendig oder der hervorragende Zeichner und Marinemaler Walter Zeeden mußte mit seiner Kunst einspringen, wenn entsprechende Fotos fehlten.
Die „Kriegsmarine" wurde in großem Umfang als Werbemittel für die Marine verwendet und in Schulen, in der Marine-Hitlerjugend und durch die Annahmestellen für Freiwilligenmeldungen verteilt. Ihrem Zweck entsprechend zeichnete sie in ihren Berichten ein mehr oder weniger stark geschöntes Bild der Ereignisse, das umso verzerrter wirkte, je schlechter sich die Lage entwickelte.
Die Beiträge der Kriegsberichter waren sprachlich naturgemäß recht unterschiedlich. Manche bedienten sich der damaligen pathetischen Ausdrucksweise. Da ist von den „herrlichen Minuten des Angriffs" die Rede oder von einem U-Bootkommandanten: „Mit ihm zu fahren, das macht Freude. Das bringt Erfolg!" Andere Berichte sind sachlich, militärisch knapp und präzise formuliert, ohne Hinweise auf den „Endsieg" oder den „größten Feldherrn aller Zeiten" und ohne Verächtlichmachen des Gegners. Aber aus vielen Beiträgen spricht natürlich oft der Stolz und die Genugtuung über erzielte Erfolge gegen die größte Seemacht. Hierbei wurden die Anstrengungen und die Härte des Kampfes nicht verschwiegen.
Alle veröffentlichten Beiträge wurden von der Zensur geprüft, desgleichen auch die zum Abdruck freizugebenden Fotos. Bei den letzteren war ein Kuriosum, daß fast immer die „Matratzen", die großen Funkmeßgeräte auf den größeren Einheiten retuschiert werden mußten. Gelegentlich rutschte jedoch auch ein nicht retuschiertes Foto durch. Dem Gegner war die Ausrüstung der Schiffe mit diesen Geräten ohnehin bekannt.
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß sich die Zeitschrift den Richtlinien der Goebbelschen Propaganda zwar nicht entziehen konnte, daß sie aber wesentlich weniger „angebräunt" war als z. B. ihre Kollegin „Der Adler" von der Luftwaffe.

  Quelle & ©: Verlag für geschichtliche Dokumentation GmbH & Co., Hamburg
letzte Änderung: 25.12.2016

  © 2010-2017  Navy-History.com by Timo Inwich
Website Statistiken